Reise zu den letzten Adler der Serengeti


GoldsteppenadlerEin leises Rauschen, weit oben. Majestätisch schwebt er zwischen den Baumwipfeln dahin – groß und stark und gleichzeitig so scheu und sensibel: einer der seltenen Kronenadler in Tansania. Ein unglaublich beeindruckender Anblick, den man sein ganzes Leben nicht mehr vergisst, beschreibt Pierre Schmidt das Zusammentreffen mit dem riesigen afrikanischen Adler, der mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,80 Meter einer der größten des Kontinents ist. Der Falkner hat sich dem Schutz dieser prächtigen Vögel verschrieben. Denn mit dem Abholzen der Wälder verschwindet auch der Lebensraum der Kronenadler.

 

mit freundlicher Genehmigung von Marit Arnold

(erschienen in: afrikapost 4/2010, Seite 72-73, www.afrikapost.de)


Inspiriert von der ARD-Dokumentation "Die Flügel der Väter" über den weltberühmten Tierfilmer Bernhard Grzimek trifft Pierre Schmidt, der eine Falknerei in der Nähe von Köln betreibt, eine Entscheidung: Er will wie Grzimek in die Serengeti nach Tansania reisen, denn er hat eine Lücke im dortigen Naturschutz entdeckt, eine Gruppe von Tieren, die nicht in das Raster der touristisch besonders interessanten "Big Five" passt, obwohl sie ebenso faszinierend, majestätisch, leider aber auch stark gefährdet ist: Greifvögel. Zusammen mit dem Kameramann Norbert Porta und dem Fotografen Andreas Dick macht sich Pierre Schmidt auf die Reise nach Tansania und begibt sich dort auf die Suche nach den Adlern, den letzten ihrer Art.

Kein leichtes Unterfangen

Im Gegensatz zu anderen Tierarten, für die es großangelegte Zählaktionen gibt, existieren keine konkreten Zahlen über den Greifvogelbestand in Afrika. Die Daten beruhen auf Schätzungen und Vermutungen, die weit auseinander gehen. Das macht Pierres Vorhaben nicht gerade einfacher. Zunächst will er sich daher einen Überblick über den Nationalpark, den Lebensraum der Greifvögel, verschaffen, um ihre Situation besser einschätzen zu können. Doch das ist kein leichtes Unterfangen, denn anders als Elefanten oder Giraffen sind die scheuen Vögel nur schwer zu entdecken. Durch Pierres jahrzehntelange Erfahrung als Falkner und mit Hilfe einiger ortskundiger Tansanier, die ihm Nistplätze und bevorzugte Aufenthaltsorte der Adler zeigen, gelingen dem dreiköpfigen Team seltene Aufnahmen. "Es war eine ewige Suche, von morgens um halb fünf bis zur Dunkelheit, abends um sechs. Man muss die Gegebenheiten kennen, wissen, wo die Thermik ist, mit Hilfe derer sich die Adler in den Himmel hinauftragen lassen, man muss ein Gefühl und einen Riecher dafür haben – und auch eine Portion Glück."

Eine Lobby für die Greifvögel

Mit seinem Team legt er per Jeep insgesamt 6.000 Kilometer durch unwegiges Gelände zurück, quer durch die Serengeti. Pierre will Aufnahmen mit nach Hause bringen, auf die er weitere Aktionen zum Greifvogelschutz aufbauen kann.


Falkner Pierre Schmidt und Kameramann Nobert Porta


Ein Film soll dabei der erste Schritt sein. Mit ihm will er auf die Situation der Adler in Afrika aufmerksam machen und ein breites Interesse sowohl in Tansania als auch in Deutschland wecken. Dadurch erhofft er sich eine größere Unterstützung seiner geplanten Projekte. "Nach meinen Recherchen bin ich derzeit der Einzige in Deutschland, der sich speziell mit dem Greifvogelschutz in der Serengeti befasst", sagt er. Finanzielle Unterstützung für sein Filmprojekt hatte er nicht. "Für Fernsehsender und private Investoren war das Thema zu neuartig, da hat sich keiner so richtig rangetraut. Im Nachhinein, als die Leute unsere Aufnahmen gesehen haben, kam auch die Begeisterung." Wertvolle Informationen und Tipps bekam er von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), die auch in der Serengeti arbeitet. "Ich war begeistert, wie offen man mir dort begegnet ist und wie gut man mich unterstützt hat", berichtet Pierre. Und damit meint er nicht nur die ZGF, sondern auch die einheimische Bevölkerung. Für sie haben die Greifvögel eine besondere, fast heilige Bedeutung, denn sie zeigen den Menschen, wo es Grünstellen und Wasserläufe gibt. "Die Menschen orientieren sich an den Greifvögeln: Wo die hinfliegen, ist auch Wasser", erklärt er. Daher werden sie nur sehr selten gejagt oder geschossen.

Ein tödliches Medikament

GeierUnd trotzdem gibt es ein Problem, das speziell die Geier betrifft: Zur Behandlung von Entzündungen oder Schmerzen spritzen die Massai ihren Rindern das Arzneimittel Diclofenac. Verenden die Tiere, werden die diclofenacdurchsetzten Kadaver von den Geiern gefressen. Das wiederum führt bei den Vögeln zu Nierenversagen, an dem sie sterben. Das gleiche Problem gab es vor einigen Jahren bereits in Indien. Dort ist das Medikament seitdem in der Tiermedizin verboten. Doch es wird noch lange dauern, bis sich die Bestände wieder annähernd erholt haben.

Touristen – ja! Massenweise – nein!

Aufklärung ist also ein wichtiger Schritt beim Greifvogelschutz. Das gilt für die Einheimischen, aber noch mehr für die Touristen. Denn der Massentourismus ist das weitaus größere Problem. Mit der steigenden Anzahl von Besuchern wächst auch die Gefahr für die Tiere, besonders für die scheuen Vögel. Werden sie bei der Jagd gestört oder fühlen sich in ihren Nestern nicht mehr sicher, werden sie aus ihrem Lebensraum verdrängt. Dass hier die dringende Notwendigkeit für einen nachhaltigen Tourismus besteht, ist offensichtlich. Deshalb will Pierre in Arusha, wo sich die Ausbildungsstelle für Guides, die Naturführer, befindet, einen speziellen Unterricht zum Thema Greifvogelschutz anbieten. Dieses Wissen sollen die Guides dann an die Touristen weitergeben. Damit erhofft sich Pierre einen Multiplikatoreffekt und ein größeres Verständnis für die Adler. Bei Politikern und Behörden hat bereits ein Umdenken eingesetzt: Der Tourismus ist teurer geworden. Dadurch soll er exklusiver und der Massentourismus eingedämmt werden. Denn der Bau und die spätere Nutzung großer Hotelanlagen, wie zum Beispiel in der Nähe des Ngorongoro-Kraters am Rande der Serengeti, verbrauchen enorm viel Wasser – Grundwasser, das aus Brunnen entnommen wird und dann an anderer Stelle für die Pflanzen und Tiere fehlt.

Vogelschutz – ein weltweites Thema

Tansania lebt vom Tourismus, und damit das noch lange so bleibt und die Tier- und Pflanzenwelt keinen Schaden nimmt, ist eine Zusammenarbeit zwischen Staaten und Organisationen dringend notwendig. Schließlich hört der Vogelschutz nicht an den Landesgrenzen auf, wie Pierre betont. "Einige Arten leben speziell in Afrika, aber es gibt natürlich auch andere, wie den europäischen und den asiatischen Steppenadler, die als Zugvögel im Herbst nach Afrika fliegen, um zu überwintern. Sie brauchen Sumpf- und Feuchtgebiete genauso wie die Wälder. Wenn diese aber schrumpfen, verlieren sie ihr Winterquartier." Derzeit wird von internationaler Seite noch viel zu wenig zusammengearbeitet. Mit seinem Film will Pierre einen Anfang machen. Weitere Länder und Projekte könnten folgen.


Ganzjährig geöffnet


April – Oktober:

  • Dienstags - Samstags
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    Sonn- und Feiertags
    14.30 - 17.00 Uhr

    Montags Ruhetag

November – März:

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    Sonn- und Feiertags
    14.30 - 16.30 Uhr

    Montags Ruhetag

 

Die Greifvogelvorführung findet an den oben genannten Tagen jeweils um 15.00 Uhr statt (Dauer je nach Wetterlage ca. 60 Minuten).

Sondertermine oder Flugvorführungen zu anderen Uhrzeiten sind nach Absprache möglich.


Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass unter 10 Besuchern, bei starkem Regen, Frost oder Unwetter eine Flugvorführung nicht stattfinden kann.


Falknerei Pierre Schmidt
Gymnicher Mühle 1
50374 Erftstadt-Gymnich
Nordrhein-Westfalen (NRW)


Bundesausbildugnsstelle
Bundesausbildungsstelle für Natur und Umwelt
Schwerpunkt Greifvogelschutz und Greifvogelkunde

 

Kultur- und Umweltstiftung der KSK Köln
Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln